Winterschlaf

von Rolf Maybaum

Ich scheine im Winterschlaf zu sein. Auch mein Enkel stellte fest: “Opa, das ist nicht unsere Jahreszeit.“ Dicke Jacke, Mütze, Schal und Handschuhe schränken meine äußere und innere Beweglichkeit ein.  Gott sei Dank erhellen ein paar verschneite Tage das Gemüt.

Langeweile hat jedoch wenig Spielraum. Regelmäßig sind drei Nachmittage pro Woche mit der Betreuung der Enkelkinder ausgefüllt, um meine Tochter beim ihrem Start in die Selbständigkeit zu unterstützen. Ich möchte die Zeit mit den Enkelkindern nicht missen. Sie bereichert mein Leben, obwohl ich am Ende der gemeinsamen Nachmittage die plötzliche Ruhe sehr genieße. Meine Frau ist bei Tochter und Enkeln noch mehr eingebunden, ist nach eigenem Bekunden aber sehr zufrieden damit. Sie wird gebraucht und hat das Gefühl, im Geschäft unserer Tochter nach langer Erwerbstätigkeit mal eine sinnvolle Arbeit tun zu können.

Und ich kann endlich meine zahlreichen Dias sichten. Das Aussortieren fällt mir leichter als erwartet, aber bisher bleiben immer noch etwa siebenhundert Dias übrig, die nach und nach digitalisiert werden sollen. So kann ich manchen Tag das Sch…wetter draußen vergessen. Planungen Unternehmungen reifen heran und der ein oder andere Termin steht schon fest. Leuchttürme, die den Weg ins Jahr markieren.

Eine aufmunternde Begleitung der letzten Wochen war die Lektüre von „Bin am Meer“ und „Endlich wieder am Meer“ von Udo Schroeter. Ich habe nichts grundsätzlich Neues erfahren, aber Bekanntes aus der Sicht eines Anglers zu betrachten, fand ich sehr spannend. Beim Lesen und Eintauchen in diese faszinierende Inselwelt konnte ich den Faden aus meiner Visionssuche wieder aufnehmen. Nachdem er zuletzt etwas schlaff neben mir hing, ist er jetzt wieder gespannter. Wieder wie eine Richtschnur, der zu folgen ich mich aufmache.