Senior man with beard and glasses using binoculars outdoors in grass dune landscape. Wearing green blocked shirt.

In diesem Jahr bin ich 61 Jahre alt geworden.

von Rolf Maybaum

Ich bin verheiratet und inzwischen Großvater eines vierjährigen Enkels und einer einjährigen Enkelin.

Am 1. Juli 2014 endete mein abhängiges Arbeitsleben. Zuletzt habe ich zwanzig Jahre bei der Stadt Hannover in der Beschäftigungsförderung gearbeitet und dort Menschen beim Neu- oder Wiedereinstieg ins Berufsleben unterstützt.

Im Jahr 2009 habe ich mich entschlossen, die Altersteilzeit in Anspruch zu nehmen. Das bedeutete, bis Juni 2014 wie gewohnt eine Vollzeitbeschäftigung mit deutlich vermindertem Gehalt auszuüben und danach bis zum regulären Rentenbeginn 2019 bei gleichem Gehalt in die „Freizeitphase“ zu gehen. Faktisch bin ich also noch gar kein Rentner. Das Gefühl kennt diesen Unterschied jedoch nicht. Legte ich zuerst noch Wert auf diese Differenzierung, erlaube ich mir inzwischen nur noch einen eher scherzhaften Hinweis auf den Langzeiturlaub. Ich fühle mich vielmehr sehr privilegiert, diese Möglichkeit des Berufsausstieges nutzen zu können.

In meinem Freundeskreis haben einige den Schritt in die Rente oder Pension schon vor mir getan und waren mir in vielfältiger Weise Vorbild oder Mahnung. Alle scheinen ihren guten Platz in diesem neuen Lebensabschnitt gefunden zu haben, so dass es mir zunehmend leichter fällt, mich selbst der Kennzeichnung „Rentner“ zuzuordnen.

Habe ich es in der letzten Zeit meiner beruflichen Tätigkeit als belastend empfunden, mich nur noch sehr eingeschränkt mit meiner Arbeit  identifizieren zu können, so sehe ich diesen Umstand rückblickend als Vorteil an. Die Distanz zu meiner Arbeit erleichterte mir den Blick auf eine Zeit danach. Eine Mischung aus freudiger Erwartung, Spannung und Unsicherheit trieb mich um. Immer häufiger wurde ich gefragt: „Was machst du denn dann mit der vielen Freizeit? Wo wirst du dich ehrenamtlich engagieren? Übernimmst du dann den Haushalt?“ Die Antworten blieben vorerst sehr vage. Begonnen habe ich damit, alle Dinge, die ich mir für „später“ vorgenommen hatte genau anzusehen. Die Zeit des kommenden, letzten Lebensabschnittes ist begrenzt. Egal ob es noch zehn, zwanzig oder dreißig Jahre sein werden, was ich jetzt auf „später“ verschiebe, bleibt womöglich unerledigt oder unerfüllt. Was ist mir wirklich wichtig? Womit will ich beginnen? Wie lange werde ich noch körperlich und geistig fit sein? Wovon kann ich mich trennen? Welche Menschen sind mir wichtig?

 

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