Erinnerung, Grapplatte, Weltkrieg

“Verstehen, woher ich komme.”

 von Rolf Maybaum

Das Eintauchen in meine Familiengeschichte stößt an Grenzen. Eine Ahnentafel mit Daten bis zu den Urgroßeltern hatte ich schon vor längerer Zeit erstellt.

Diese Daten mit Leben zu füllen, besonders was meine Großväter und den mit 19 Jahren im 2. Weltkrieg  gefallenen Onkel betrifft, war schon wesentlich schwieriger. Meine Großväter erzählten interessante Geschichten von früher. Ihre Zeit als Soldat im 2. Weltkrieg blieb jedoch weitgehend ausgespart. Die spärlichen Berichte wurden von meinen Eltern und Onkel und Tanten ergänzt. Das Bild blieb jedoch immer unvollständig. Daran änderte sich auch nichts, als ich konkrete Fragen stellen konnte. Manchmal verursachte die Reaktion auf meine Neugier mir Unwohlsein. Ich hatte das Gefühl, an etwas Verschlossenen zu rütteln. Dabei wollte ich nicht beschuldigen, sondern nur verstehen.

Intention meiner Neugier ist der Wunsch, besser zu verstehen woher ich komme und wer oder was mich geprägt hat. Ich will wissen, ob der gefallene Onkel tatsächlich diese „Lichtgestalt“ war, als die er mir nach den Erzählungen erschien. Die Reaktionen auf meine Neugier waren sehr unterschiedlich.

Jetzt habe ich Zeit, die Briefe meines Onkels, in denen er während seiner neunmonatigen Dienstzeit fast täglich nach Hause berichtete, noch einmal genauer zu lesen und zu recherchieren.

Ich habe einen jungen Mann kennen gelernt, der unmittelbar nach dem Abitur Soldat wurde. Der die Ausbildungszeit an der französischen Atlantikküste und in Westpreußen eher als eine aufregende sportliche Herausforderung sah und der erst auf seinem Weg an die Ostfront die Realität des Krieges erfasste. Anhand alter Fotografien und Ortsangaben kann ich einen Teil seines Weges nachvollziehen.

Es bleibt dennoch eine unvollständige Familiengeschichte. Unbefriedigend für mich. Bei meinen Recherchen stieß ich dann auf Bücher von Sabine Bode. In ihrem Buch „Nachkriegskinder“ fand ich vieles von dem, was mich umtreibt beschrieben. Es ist gut für mich zu sehen, dass es nicht allein meine Neugier ist. Es ist wichtig für mich, diese Fragen zu stellen, auch wenn ich nicht immer auf positive Resonanz stoße. Ich werde aber auch nicht alles umfassend aufklären können. Einiges wird offen bleiben.

2 Gedanken zu „“Verstehen, woher ich komme.”“

  1. Guten Tag Rolf, beim bereinigen meiner Maileingänge bin ich auf Deine Mail gekommen, auf die ich antworten wollte, aber es doch nicht gemacht habe. Auch bei unseren Treffen haben wir über Dein /Euer Vorhaben leider nicht gesprochen. Da ich nun schon im 6. Jahr quasi zu Hause bin und Langeweile oder Gedanken -was mach ich nun- bisher nicht gehabt habe interessiert mich das Thema aber doch. Vielleicht sollte ich doch mal überlegen, weniger für Andere, als viel mehr für mich da zu sein. Aber andererseits ist das “mitmachem” und gestalten ja auch eine gute Beschäftigung. Auf jeden Fall hat es mir bisher nicht geschadet und ich bin nicht in ein ” Loch” gefallen, da irgendwie immer Arbeit da war. Familiengeschichte ist auch ein Thema für mich, aber das hebe ich mir noch auf, da es schon jetzt alles schwierig ist in Erfahrung zu bringen. Andere Frage: Hast Du schon mal auf den Brocken übernachtet??. Das haben wir jetzt vor. Nachmittags hin wandern vom Torfhaus aus, dort übernachten und n. Tag nach Ilsenburg oder W-rode gehen und mit dem Zug zurück. Das wollen wir in der Woche machen, wenn auch absehbar schönes Wetter ist. Frage: Hast Du Lust mit Deiner Frau mit zu kommen???? Bis dann, Rolf aus Holle

  2. Lieber Fritz,
    eine Familienaufstellung kann sehr aufschlussreich sein. Diese Erfahrung habe ich gleichfalls machen können und ich war sehr beeindruckt über eine neue Sicht auf eine alte Geschichte. Ansonsten ist die weitere Suche nach Fakten ein mühsames Puzzlespiel. Mit Hilfe der Kriegsgräberfürsorge habe ich kürzlich ein neues Teilchen hinzufügen können. Passend zu meiner Suche fand ich auch den Artikel “Opa Hans” im Spiegel (Ausgabe 20/2015).
    Herzliche Grüße
    Rolf

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