Neun Monate zuhause

von Bernhard Noormann

Viele hatten mich gewarnt: „Pass auf, dass du nicht in ein Loch fällst“, oder: „du musst ein Jahr vorher auf 30% runterfahren“, und: „du solltest dir neue Hobbys suchen, die mit dem früheren Beruf nichts zu tun haben“.

Heute bin ich fast 10 Monate zu Hause, in ein Loch bin ich nicht gefallen, bis zum Schluss bin ich mit mehr als 100% gefahren, Langeweile habe ich noch nicht an einem einzigen Tag erlebt, im Gegenteil, es waren interessante neun Monate.

  • Die Wohnung wurde renoviert, Türen und Wände gestrichen, das Dienstzimmer wieder zum privaten Wohnraum umgestaltet.
  • Die Renovierung war gerade abgeschlossen, als ein Wasserschaden im Haus eine große Reparatur erforderlich machte, bis heute hält uns die Baustelle im wahrsten Sinne in Atem.
  • Schnell ergab sich mehr zufällig eine neue sportliche Aktivität. Jeden Dienstag spiele ich mit drei anderen „Pensionären“ zwei Stunden Tischtennis. Der regelmäßige Sport tut mit gut, und ich spüre, wie ich mich auf diesen Dienstag freue.
  • Gut tut die morgendliche gemeinsame Zeit mit meiner Frau. Länger frühstücken, gründlicher die Zeitung lesen. Beim Einkaufen in der Stadt fiel es zunächst meiner Frau auf: es fehlt mein ständiges Drängeln: „ich muss noch an den Schreibtisch, ich habe noch einen Termin“, usw. Plötzlich konnten wir ohne jeglichen Druck in der Stadt sein, es gab einfach mehr Harmonie.
  • Noch eine wichtige Beobachtung. In meiner Dienstzeit kam ich von Vater- Kind- Wochenenden z. B. häufig mit einer Erkältung nach Hause- seit Beginn des Ruhestandes habe ich noch keine Erkältung, keine Grippe gehabt.
  • Und die Männerarbeit? Ich hatte mir vorgenommen, bis zum Ende des Jahres keine Anfrage anzunehmen, und so habe ich es gemacht. Lediglich am viermal jährlich stattfindendem Männerfrühstück in Emden nehme ich weiter teil, manchmal noch als Leiter, vor allem aber als ehrenamtlicher Mitarbeiter. Es ist sicher gut, auf diesem Wege Kontakt zu einigen Männern zu behalten, und gleichzeitig ein wenig aktiv zu bleiben.In gut zwei Monaten ist das erste Jahr als Ruheständler zu Ende, und ich bin gespannt, wie es weiter geht.

Über „Nebenjobs“, „Reisepläne“, „Familienleben“, „Garten- und Hausarbeit“ sowie sonstige Aktivitäten beim nächsten Mal mehr.

Bilderbucheinstand

von Bernhard Noorman

Nach mehr als 45 Jahren Berufsleben war er da, der Tag der Verabschiedung in den Ruhestand. Ein wunderschöner Tag, der mit einem Männertreffen begann. (Ich war ja Männer-Arbeiter…)

Es folgte ein unvergesslicher Gottesdienst in der Martin Luther Kirche in Emden mit einem Empfang, an dem fast 200 Wegbegleiter, Freunde und Familienmitglieder teilnahmen. Am Tag danach mein 65. Geburtstag, ein paar Tage mit unserem Sohn und seiner Frau aus Bayern, mit unserer Tochter, Schwiegersohn und  Enkelkindern (ich bin stolzer dreifacher Opa) aus der Wedemark, gemeinsames Familienleben mit Spielen, gemeinsamen Mahlzeiten, Ausflügen genießen, ohne dass  Opa gleich wieder dienstlich weg musste. Etwas, was ich „so“ in den letzten Jahren sehr vermisst habe. Es war ein Bilderbucheinstieg in den Ruhestand.

Seit dem 1. Juni 2014

von Bernhard Noormann

…bin ich nach zuletzt 25 Jahren als Referent der Männerarbeit Ruheständler. Mein Name ist Bernhard Noormann.

„Was wir gewinnen, wenn wir alt werden“, so hat Wilhelm Schmid den Untertitel seines Buches „Gelassenheit“ beschrieben, und es war das erste Buch, das ich im Ruhestand gelesen habe. Männer, die mich in vielen Jahren Zusammenarbeit in der Männerarbeit kennen gelernt haben, haben mich sicher als einen gelassenen Menschen erlebt, und so kann ich die Literatur nur empfehlen.

Denn Gelassenheit braucht Man(n), damit der erste Schock gut überstanden wird!  Ja, der finanzielle Verlust ist erheblich, wenn nach fast 48 Berufsjahren (14 Jahre Finanzbeamter; Studienzeit; Gemeindediakon, Referent der Männerarbeit) der Eintritt in den Ruhestand folgt.

Zwei Kinder haben meine Frau durch lange Studiengänge geführt, so dass unsere Ersparnisse ausgeschöpft waren; und auch, wenn wir am Anfang unserer Ehe ein eigenes Haus erbaut haben, die Kosten bleiben. Das muss jedem klar sein, wer keine Erbschaft zu erwarten hat, oder nicht von zu Hause aus begütert ist, wer keine mit verdienende Partnerin hat, muss als Rentner deutliche Abstriche machen, muss sein Leben umstellen, erträumte Reisen zurückstellen, wenn nicht gar streichen, und auch der Konzertabend muss in die Budgetplanung passen.