Winterschlaf

von Rolf Maybaum

Ich scheine im Winterschlaf zu sein. Auch mein Enkel stellte fest: “Opa, das ist nicht unsere Jahreszeit.“ Dicke Jacke, Mütze, Schal und Handschuhe schränken meine äußere und innere Beweglichkeit ein.  Gott sei Dank erhellen ein paar verschneite Tage das Gemüt.

Langeweile hat jedoch wenig Spielraum. Regelmäßig sind drei Nachmittage pro Woche mit der Betreuung der Enkelkinder ausgefüllt, um meine Tochter beim ihrem Start in die Selbständigkeit zu unterstützen. Ich möchte die Zeit mit den Enkelkindern nicht missen. Sie bereichert mein Leben, obwohl ich am Ende der gemeinsamen Nachmittage die plötzliche Ruhe sehr genieße. Meine Frau ist bei Tochter und Enkeln noch mehr eingebunden, ist nach eigenem Bekunden aber sehr zufrieden damit. Sie wird gebraucht und hat das Gefühl, im Geschäft unserer Tochter nach langer Erwerbstätigkeit mal eine sinnvolle Arbeit tun zu können.

Und ich kann endlich meine zahlreichen Dias sichten. Das Aussortieren fällt mir leichter als erwartet, aber bisher bleiben immer noch etwa siebenhundert Dias übrig, die nach und nach digitalisiert werden sollen. So kann ich manchen Tag das Sch…wetter draußen vergessen. Planungen Unternehmungen reifen heran und der ein oder andere Termin steht schon fest. Leuchttürme, die den Weg ins Jahr markieren.

Eine aufmunternde Begleitung der letzten Wochen war die Lektüre von „Bin am Meer“ und „Endlich wieder am Meer“ von Udo Schroeter. Ich habe nichts grundsätzlich Neues erfahren, aber Bekanntes aus der Sicht eines Anglers zu betrachten, fand ich sehr spannend. Beim Lesen und Eintauchen in diese faszinierende Inselwelt konnte ich den Faden aus meiner Visionssuche wieder aufnehmen. Nachdem er zuletzt etwas schlaff neben mir hing, ist er jetzt wieder gespannter. Wieder wie eine Richtschnur, der zu folgen ich mich aufmache.

Verrentung mit Ambivalenz

von Jürgen Rams

Im nächsten Jahr gehe ich in den Ruhestand. Die Zeit der Erwerbsarbeit neigt sich also unwiderruflich dem Ende zu. 49 Jahre sind es her, dass ich eine Ausbildung begann. Die letzten 14 Jahre in der Männerarbeit der rheinischen Landeskirche.

Was löst das bei mir aus? Was macht das mit mir? Welche Gedanken gehen mir durch den Kopf?

Zunächst beschäftigt mich diese Tatsache schon eine Zeit lang. Habe ich doch schon vor einiger Zeit darüber nachgedacht, eventuell früher in Rente zu gehen. Diesen Gedanken aber dann verworfen. Die Arbeit macht mir Spaß. Es gab Entwicklungsmöglichkeiten, neue Aufgaben boten sich immer wieder an. Auch darüber hinaus gab es keine Gründe, das Berufsleben vorzeitig zu beenden. So war schnell klar. Ich mach bis zum Ende weiter.

Aber was kommt danach?  Leere, immerwährender Urlaub, neue andere Aufgaben? Wie wird das sein, nach 49 Jahren klar strukturierten Arbeitsverhältnissen an fünf verschiedenen Arbeitsstellen, wenn man den Zivildienst mitzählt, sechs. An fünf verschiedenen Orten. Zwischendurch noch mal studieren. Die Tage waren durchgeplant. Ich wusste immer, da warten Aufgaben, die erledigt werden wollten. Aber es gab auch viele Herausforderungen, es war notwendig, sich auf Neues einzustellen. Den eigenen Blick zu erweitern. Man war immer in Bewegung. Das Leben nahm einen mit.

Das alles soll nun vorbei sein? Nein, sagte ich mir und begann nach Möglichkeiten zu suchen, danach neue Aufgaben anzugehen. Allerdings nicht mehr mit dem Druck, der jetzt noch da ist: Die Erwartungen des Arbeitsgebers zu erfüllen, die eigenen Erwartungen bedienen.

Das war und ist ein ambivalenter Vorgang. Auf der einen Seite freue ich mich auf die dann neu zur Verfügung stehende Zeit. Aber es steht natürlich die Frage im Raum, wie geht das mit den neuen Aufgaben? Wird das befriedigend sein. Oder doch zu wenig Struktur, Abwechslung, Herausforderung. Ich weiß es nicht. Es ist ein Risiko. Wie jede Veränderung, die ansteht. Aber mir wird auch klar, Veränderungen gab es häufig in meinem Leben. Sie waren Teil der letzten Jahrzehnte. Sie gehörten dazu. Durch den Umgang mit ihnen haben sie ihren Schrecken verloren. Mit dieser Erfahrung lässt sich auch die nächste große Veränderung – das Ende des Erwerbslebens – bewältigen, so denke ich heute. Ob es so kommt, ist zumindest offen.

Doch auch andere Gedanken schieben sich immer wieder dazwischen. Wie lange werde ich noch gesund sein? Wie viel Zeit bleibt mir noch? Soll ich mich nicht einfach zurücklehnen und den Ruhestand mit der dann neu gewonnen Freiheit einfach nur genießen? Schließlich habe ich lange genug gearbeitet.

Nein, so wie ich mich kenne, werde ich das nicht lange durchhalten. Ich brauche Aufgaben, an denen ich mich abarbeite, die mir das Gefühl geben, gebraucht zu werden. Sinnvolle Tätigkeiten. Begegnungen mit anderen Menschen, das Gefühl da ist noch Leben drin. Also überlege ich, wie ich die Zeit danach gestalte. Was kann  ich von meinen Ressourcen weiterhin einbringen? Welches Knowhow wird heute gebraucht? Gibt es Weiterbildungen, die mir eine neue Perspektive geben? Das alles schon unter anderen Vorzeichen. Ich muss es nicht mehr. Ich kann, wenn ich will. Es gibt keinen Arbeitsvertrag mehr, den ich erfüllen muss. Die Verantwortung wird weniger und anders sein. Das ist entlastend. Insofern ist es auch etwas, auf das ich mich freue.

Wohlan denn, Herz, nimm Abschied und gesunde!

Von Langeweile keine Spur

von Bernhard Noormann

Ganz wichtig für meine Frau und für mich ist unser Garten, unser kleines Paradies. Sich einfach einmal zurückziehen können, die verschiedenen Sitzecken im Garten nutzen, einfach die Seele baumeln lassen, egal ob mit oder ohne Schaufel oder Gartenschere.

 Zweimal im Monat fahre ich nach Leer und biete bei der Lebenshilfe Leer e.V. jeweils einen Gesprächskreis für junge Männer bzw. für Männer und Frauen Ü55 mit körperlichen und geistigen Beeinträchtigungen an. Die Menschen in den drei Gruppen freuen sich, wenn ich komme, aber auch für mich ist es eine wertvolle Erfahrung, auch wenn es nicht immer ganz einfach ist.

 Gewählt wurde ich in den Konventsrat des Diakoniekonvents Lutherstift Falkenburg, dort hatte ich damals studiert, und somit bin ich einmal im Monat in Falkenburg, um mit über die Belange des Diakoniekonventes zu beraten.

 Ganz ist die Männerarbeit natürlich auch nicht aus dem Kopf, und so habe ich im September für ein Referat in einem Männerkreis zugesagt; werde am Männersonntag predigen, und im kommenden Jahr ist  ein Haus auf Spiekeroog für ein Männerseminar gebucht.

 Weiterhin ist von Langeweile keine Spur, meine Frau und ich genießen die Zweisamkeit, und wenn dann noch Zeit bleibt, ist der neueste Krimi von Klaus-Peter Wolf „Ostfriesenwut“ auch noch da.

Wenn die Ehefrau in Rente geht

von Rolf Maybaum

Seit August ist meine Frau Rentnerin. Die letzten Wochen und Tage ihres Arbeitslebens zogen sich mehr und mehr in die Länge und plötzlich war er da, der Abschied von beruflicher Routine und lieben Kolleginnen. Wir haben viel über die uns beide betreffende Veränderung gesprochen und ahnten, dass wir noch mal einer großen Herausforderung begegnen würden.

In meinem einjährigen Vorsprung habe ich mich organisiert und einen Rhythmus entwickelt, der sich jetzt durch die neue und dauerhafte Gemeinsamkeit mit meiner Frau wieder verändern dürfte. Endlich konnte ich zumindest vormittags tun und lassen was ich wollte. Keine Rücksprachen, keine Besprechungen, unverbindliche to-do Listen – eine große Freiheit.  Die alten Arbeitsteilungen z. B. bei der Hausarbeit haben sich seit dem Beginn meines „Rentnerlebens“  aufgelöst und sollen keinesfalls in den „vorruheständlichen“ Zustand zurückgeführt werden.

Plötzlich beschleicht mich das Gefühl, einige der übernommenen Hausaufgaben gegen Begehrlichkeiten meiner Frau verteidigen zu müssen. Hatte ich die übernommenen Arbeiten etwa nicht gut genug gemacht? Da werden wir noch drüber reden müssen!

Zwei Artikel in einer der letzten Ausgaben der Wochenzeitung „Die Zeit“ und die Lektüre der Geschichte „In Rente“ von Wolfgang Prosinger gaben reichlich Vorlagen und Anregungen für die Gespräche. Die gewonnene Freiheit ist ein Genuss,  der nicht in Langeweile und übertriebener Zweisamkeit versiegen soll. Individuelle Freiheit, gemeinsames Erleben, großelterliche Herausforderungen und einfach Spaß am Leben müssen ihren angemessenen Raum finden.

„Der Renteneintritt ist so etwas wie eine zweite Pubertät. Eine Zeit, in der alles durcheinander gebracht wird.“ („In Rente“ von W. Prosinger) Dem kann ich unbedingt zustimmen.

Es kam alles anders!

von Bernhard Noormann

Leben in Rente? 

Viel früher wollte ich meinen Bericht über Erfahrungen im Ruhestand fortsetzen, „Nebenjobs“, „Reisepläne“, „Familienleben“, „Garten- und Hausarbeit“, sollten die Themen werden.

Aber es kam alles anders! Der im letzten Bericht erwähnte Wasserschaden bei uns zu Hause hat uns komplett in Beschlag genommen. Die Erfahrungen mit den unterschiedlichen Handwerkern wurden zu einem Lernprozess. Und so war es wichtig und wohltuend, die „Baustelle“ im Mai für 9 Tage, und dann Ende Juni, noch einmal für 14 Tage verlassen zu können. Und schon bin ich bei „Reiseplänen“.

Neun Tage Spiekeroog – davon 4 Tage mit den Enkelkindern -, Erholung, abschalten, spazieren gehen, Opa sein können. Es war einfach schön!

Genauso war es im Juni, als meine Frau und ich nach Absprache mit dem Bauleiter für 14 Tage zu unserem Sohn nach Bayern fahren konnten, davon 5 Tage Wien, um ein Geburtstagsgeschenk für meine Frau einzulösen.

Konzerte erleben, alte Wiener Kaffeehäuser besuchen, auf den Spuren von Mozart, Beethoven, Strauß, usw. wandeln, die Wiener Hofburg entdecken- schade, dass 5 Tage so schnell vergehen.

Weil liebe Nachbarn bereit waren, die Baustelle zu beaufsichtigen, konnten die Malerarbeiten in dieser Zeit weiter gehen.

Inzwischen sind wir dabei, unsere Wohnung „Schritt für Schritt“ wieder einzurichten, wohl wissend, dass es nun in der Nebenwohnung, die wir bislang bewohnten, weiter geht. Vielleicht sind wir ja zum 1. Advent mit der ganzen Baumaßnahme fertig.

Manchmal liegen natürlich unsere Nerven blank, dann helfen ein paar Schmetterbälle beim Tischtennis; dann hilft ein gemeinsamer Besuch bei Freunden und man kann seinen „Baustellenfrust“ loswerden.